Situation

Das Gebiet unserer Pfarrei St. Urbanus erstreckt sich über mehrere Stadtteile des Gelsenkirchener Nordens.
Diese Stadtteile sind geprägt vom Umbruch einer sich wandelnden Stadt.
Mit Schließung des Bergwerks Lippe (Zeche Westerholt) im Norden unserer Pfarrei gibt es den Steinkohlebergbau in unserer Pfarrei nicht mehr. Daraus resultiert auch das endgültige  „Aus“ für viele Kleinbetriebe, die eng mit dem Bergbau verbunden waren. Die Zechen Bergmannsglück, Hugo, Westerholt.....  haben das Leben und die sozialen Bezüge erheblich gestaltet.
Auch die chemischen Werke haben Ihre Belegschaften zum Teil drastisch zurückgefahren, so dass auch von dort kaum noch Impulse für einen sozialen Halt vorhanden sind.
Unsere Stadtteile und Quartiere sind beeinflusst von den dörflichen Strukturen, die durch Haus- und Wohnungsbau in Siedlungen für Arbeiter und Angestellte dieser Industrien entstanden sind.
Es gibt aber auch das historisch Gewachsene im „Alten Buer“, eine geprägte Kaufmannsschaft und nicht zuletzt bäuerlich-dörfliches Gefüge in den Randgemeinden unserer Pfarrei.
Die hohe Arbeitslosigkeit (in Gelsenkirchen ist jeder 6. arbeitslos) und andere soziale Gründe führen dazu, dass viele Menschen in unserer Pfarrei auch von Armut betroffen sind. Das macht auch die große Zahl der sog. Hartz IV Empfänger deutlich.
In einigen Stadtteilen leben -wie in ganz Deutschland- viele ältere Menschen, die zudem noch allein und teilweise vereinsamt sind. Viele von ihnen sind alleine nicht mehr in der Lage, ihre Trauer beim Tod eines Angehörigen zu verarbeiten.
Der größte Teil der Kinder ist von Armut bedroht, das wird sichtbar in Kindergärten und Schulen. Erzieherinnen und Lehrer beklagen, Kinder müssten ohne ausreichende Nahrung den Schultag erleben und Geld für „soziale Erlebnisse“ (Ausflüge, Freizeit) ist vielfach nicht mehr vorhanden. In unserer Pfarrei wird besonders bei den Kindern und Jugendlichen die Kluft zwischen Arm und Reich immer deutlicher.
Die „Soziale Armut“ wird in unserer Pfarrei immer augenscheinlicher. Persönliche Bezüge fehlen häufig. Alleinerziehende Väter und Mütter stehen am Rand des Zumutbaren. Es gibt Kinder, die nie umarmt wurden. Mobbing und Gewalt von Schülern prägen den Alltag einiger Schulen. Schwimmbad, Kino, Theater, neue Kleidung - für viele nicht mehr machbar. Angst um den Arbeitsplatz, Sorge um den Ausbildungsplatz, fehlende Zukunftsperspektiven beeinflussen das Leben vieler Pfarreimitglieder.
In unserer Pfarrei wird die Spannung zwischen Reich und Arm besonders deutlich. Es gibt Quartiere (z. B. in Buer Mitte), in denen eine so genannte „Heile Welt“ vorherrscht. Dort gibt es die aufgeführten Probleme und Sorgen nicht. Dort leben Menschen in „geordneten“ Verhältnissen und mit regelmäßigen ausreichenden oder hohen Einkommen in eigenen Häusern und Wohnungen.
In anderen Quartieren (z. B. in Hassel) leben überwiegend Menschen mit Migrations-hintergrund und formen mit „ihrer“ Kultur das Zusammenleben in diesen Bezügen.
Anderswo (z.B. in Buer-Hugo) leben überwiegend arbeitslose Menschen und bestimmen das Straßenbild.
Die Stadtteile und Quartiere in unserer Pfarrei sind von ihrer Sozialstruktur und von ihren Milieus so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Das stellt uns im Bereich der Diakonia/Caritas in unseren Gemeinden und in unserer Pfarrei vor besondere Herausforderungen, denen es sich zu stellen gilt.