St. Urbanus für...

Sonntagsimpuls – Christkönigssonntag | 22.11.2020

Impuls zum Christkönigssonntag Sonntag im Jahreskreis von Andrea Claaßen.

Schrifttexte

Erste Lesung (Ez 34, 11–12.15–17a)

Lesung aus dem Buch Ezéchiel

So spricht Gott, der Herr:
Siehe, ich selbst bin es,
ich will nach meinen Schafen fragen
und mich um sie kümmern.
Wie ein Hirt sich um seine Herde kümmert
an dem Tag,
an dem er inmitten seiner Schafe ist, die sich verirrt haben,
so werde ich mich um meine Schafe kümmern
und ich werde sie retten aus all den Orten,
wohin sie sich am Tag des Gewölks
und des Wolkendunkels zerstreut haben.
Ich, ich selber werde meine Schafe weiden
und ich, ich selber werde sie ruhen lassen –
Spruch Gottes, des Herrn.
Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen,
die vertriebenen zurückbringen,
die verletzten verbinden,
die schwachen kräftigen,
die fetten und starken behüten.
Ich will ihr Hirt sein
und für sie sorgen, wie es recht ist.
Ihr aber, meine Herde – so spricht Gott, der Herr —,
siehe, ich sorge für Recht zwischen Schaf und Schaf.

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Zweite Lesung (1 Kor 15, 20–26.28)

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korínth

Schwestern und Brüder!
Christus ist von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen.
Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist,

kommt durch einen Menschen
auch die Auferstehung der Toten.
Denn wie in Adam alle sterben,
so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge:
Erster ist Christus;
dann folgen, wenn Christus kommt,
alle, die zu ihm gehören.
Danach kommt das Ende,
wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft entmachtet hat
und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
Denn er muss herrschen,
bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße gelegt hat.
Der letzte Feind, der entmachtet wird,
ist der Tod.
Wenn ihm dann alles unterworfen ist,
wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen,
der ihm alles unterworfen hat,
damit Gott alles in allem sei.

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Evangelium (Mt 25, 31–46)

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt
und alle Engel mit ihm,
dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden
und er wird sie voneinander scheiden,
wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen,
die Böcke aber zur Linken.
Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen:
Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,
empfangt das Reich als Erbe,
das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!
Denn ich war hungrig
und ihr habt mir zu essen gegeben;
ich war durstig
und ihr habt mir zu trinken gegeben;
ich war fremd
und ihr habt mich aufgenommen;
ich war nackt
und ihr habt mir Kleidung gegeben;
ich war krank
und ihr habt mich besucht;
ich war im Gefängnis
und ihr seid zu mir gekommen.
Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen:
Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
und dir zu essen gegeben
oder durstig
und dir zu trinken gegeben?
Und wann haben wir dich fremd gesehen
und aufgenommen
oder nackt
und dir Kleidung gegeben?
Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen
und sind zu dir gekommen?
Darauf wird der König ihnen antworten:
Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,
das habt ihr mir getan.
Dann wird er zu denen auf der Linken sagen:
Geht weg von mir, ihr Verfluchten,
in das ewige Feuer,
das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
Denn ich war hungrig
und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
ich war durstig
und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
ich war fremd
und ihr habt mich nicht aufgenommen;
ich war nackt
und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
ich war krank und im Gefängnis
und ihr habt mich nicht besucht.
Dann werden auch sie antworten:
Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig
oder fremd oder nackt
oder krank oder im Gefängnis gesehen
und haben dir nicht geholfen?
Darauf wird er ihnen antworten:
Amen, ich sage euch:
Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt,
das habt ihr auch mir nicht getan.46Und diese werden weggehen
zur ewigen Strafe,
die Gerechten aber
zum ewigen Leben.

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Impuls

Was für ein krasser, radikaler Text! Rechts oder links, schwarz oder weiß, Himmel oder Hölle? Jesus spricht in seiner letzten großen Rede in der Öffentlichkeit vom sogenannten Weltgericht, von dem, was passiert, wenn er wiederkommt. Das mag auf den ersten Blick weit weg klingen, hat aber die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt – und beschäftigt auch uns, wenn wir darüber nachdenken, was nach dem Tod passiert. Diese Rede vom Weltgericht in seiner scheinbar klaren Gegenüberstellung von Gut und Böse und seinen Konsequenzen hat seit jeher unser Bild von Himmel und Hölle geprägt. Denken Sie an die vielen aus dem Mittelalter stammenden Darstellungen von Himmel und Hölle! Sie fallen Ihnen bestimmt sofort ein. Himmel rechts, Hölle links. Als Vorstufe das Fegefeuer. Ein Beispiel ist das „Jüngste Gericht“ von Fra Angelico aus dem 15. Jahrhundert. Es folgt in seinem Aufbau in beeindruckender Weise der gerade gehörten Rede vom Weltgericht.

Aber der Text irritiert mich. Er wirft Fragen auf. Mein Glaube ist geprägt durch die Osterbotschaft. Es ist eine Hoffnungsbotschaft, eine Hoffnung auf Rettung. Dieses Gottvertrauen lässt sich mit dem bekannten Spruch frei nach Oscar Wilde ausdrücken: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.“ Und als eine, die den Karneval liebt, habe ich direkt den Schlager von Jupp Schmitz im Ohr: „Wir kommen alle in den Himmel“. Und dann dieser Text!?

Klar, Gott wird uns nicht alles einfach durchgehen lassen. Das machen sowohl dieser Text als auch die alttestamentlichen Bilder eines strafenden und richtenden Gottes deutlich. Aber was ist mit den vielen Texten, die uns einen rettenden, gnädigen, liebenden Gott vermitteln? Sind wir hoffnungslos verloren, wenn wir dem von Jesus hier aufgestellten Anforderungskatalog nicht in allen Punkten entsprechen können? Denn dem gerecht zu werden, kann wahrscheinlich niemand von sich behaupten. Und spricht daraus nicht die sogenannte Werkgerechtigkeit, also dass es allein reicht, genug Gutes zu tun, um erlöst zu werden? Im ökumenischen Dialog sind wir doch mittlerweile soweit, dass auch die katholische Kirche anerkennt, dass wir allein auf die Gnade Gottes hoffen dürfen, um erlöst zu werden, und wir uns nicht in irgendeiner Weise freikaufen können. Wie passt das alles zusammen?

Einen Ansatz bietet meines Erachtens die Denkfigur einer Zwischenstufe. Sie wird in der katholischen Kirche gemeinhin „Fegefeuer“ genannt, wobei ich diesen Begriff nicht mag, da er schon hier den Blick auf das ewige Feuer hin einengt. Mir gefällt der lateinische Fachbegriff Purgatorium besser. Das Verb purgare bedeutet nämlich unter anderem „reinigen, säubern“. Der Mensch tritt vor Gott und muss rein werden, um erlöst zu werden. Aber wie können wir uns das vorstellen? Mir hilft dabei eine moderne Darstellung des Purgatoriums, wie sie sich an der Pax-Christi-Kirche in Krefeld finden lässt. Dort hat der Künstler Klaus Rinke das Kunstwerk „Tor zur Ewigkeit“ geschaffen. Es handelt sich dabei um schwarze Marmorplatten, die in Türform in das Mauerwerk eingelassen sind: Wer davorsteht, sieht sich selbst. So kann ich mir das Gericht gut vorstellen. Gott hält mir den Spiegel vor und gibt mir die Gelegenheit, mich und mein Leben zu sehen, wirklich zu sehen. Ich sehe mich und alles, was ich in meinem Leben getan habe oder eben nicht getan habe. Ich erkenne alles Gute und Schlechte. Ich muss mich mit allem Bösen und Unvollkommenen auseinandersetzen – wo ich Unrecht getan habe, wo ich nicht geholfen habe, wo ich anderen, aber auch mir geschadet habe, wo ich Gott nicht gerecht geworden bin, wo die kleinen Monster des Alltags mich beherrscht haben. Das wird mit Sicherheit kein Spaziergang, sondern ein sehr schmerzhafter Prozess. Aber wenn ich mir meines Fehlverhaltens, meiner Versäumnisse und Lieblosigkeiten bewusst werde, wenn ich sie vor Gott wirklich erkenne, sie ehrlich bereue, dann vertraue ich darauf, dass Gott sich letztlich als gnädig, barmherzig und vergebend zeigt – so wie Jesus es uns in unzähligen Gleichnissen und Worten und nicht zuletzt durch seine Auferstehung vermittelt. Ich vertraue darauf, dass ich nach einem solchen Prozess vor dem Spiegel in eine gute Ewigkeit eintreten kann. – Sie auch? Wie stellen Sie sich das Danach vor?

Andrea Claaßen