St. Urbanus für...

Sonntagsimpuls – Dritter Sonntag der Osterzeit | 18.04.2021

Impuls zum Dritten Sonntag der Osterzeit von Konrad Fulst.

Schrifttexte

Die Schrifttexte finden Sie HIER.

Impuls

In den Lesungen des heutigen Sonntags hallt, wie könnte es anders sein, das Ostergeschehen nach. Die Anhängerschaft Jesu war schwer getroffen von seiner Hinrichtung. Wir würden heute sagen, dass die Jüngerinnen und Jünger mit der Aufarbeitung des Geschehenen beschäftigt waren.

Die österlichen Berichte der Evangelien und der Apostelgeschichte zeigen uns, dass die Gemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger mit Jesus über den Tod hinaus zwar erschüttert ist, aber letztlich Bestand hat. Die beschriebenen Begegnungen mit dem Auferstandenen finden nicht mit Einzelpersonen statt, sondern in Gemeinschaft mit anderen.

Psychologen sagen uns heute, dass nach traumatischen Erlebnissen die Nähe und das Zusammensein mit vertrauten Menschen bei der Bewältigung helfen. Das Gespräch über das Erlebte und die eigenen Erinnerungen, ein Austausch über die eigene Gefühlslage bringen Betroffene weiter.

Für die Familien und Angehörigen von Verstorbenen während der Corona-Zeit war das aber nicht so einfach möglich. Es gibt viele Berichte, dass Familien ihre sterbenden Angehörigen wegen strenger Quarantänevorschriften in den letzten Stunden nicht begleiten konnten. Trauerfeiern konnten häufig nur im kleinsten Kreis stattfinden. Ich habe an Beerdigungen teilgenommen, die dann doch unter Beachtung der Abstandsregeln  und weiterer Schutzregeln stattgefunden haben. Wie schwer ist es, Trost und Anteilnahme auszudrücken ohne eine herzliche Umarmung oder einen langen Händedruck. Die christliche Überzeugung, dass der Tod kein Abschied für immer, kein absolutes Ende, sondern der Durchgang zu einem neuen Leben ist, bietet doch soviel Trost und Hoffnung, aber wie kann man sie den Trauernden nahe bringen?

Die Pfarrei St. Urbanus folgt dem Aufruf des Bundespräsidenten zum Gedenken der Corona-Toten an diesem Sonntag. Sie lädt alle, die um einen Menschen trauern, der seit Beginn der Corona-Epidemie vor einem Jahr verstorben ist, dazu ein, heute oder während der kommenden Woche
die Urbanuskirche zu besuchen. Dort ist ein eigener Gedenkort eingerichtet worden in Form einer symbolischen Gedenkmauer. Hier kann man eine Kerze entzünden, einen Zettel mit einer Fürbitte ablegen, ein Bild des oder der Verstorbenen oder eine Trauerkarte ablegen. Alle Bitten und alle Verstorbenen werden am nächsten Sonntag in allen Gottesdiensten ausdrücklich in das Fürbittgebet eingeschlossen.

Ich glaube, dass diese gemeinsame Erinnerung nicht nur wichtig ist für die Familien der Verstorbenen. Wir teilen damit die Hoffnung, die aus der österlichen Botschaft der Auferstehung erwächst, mit anderen Menschen, auch mit den Trauernden. Und so bleibt Kirche ein Ort der Begegnung, denn das sollte sie sein, in ihren Gebäuden und auch noch mehr in ihren Gemeinden und Gemeinschaften. Gerade in schwierigen Zeiten.

Konrad Fulst