St. Urbanus für...

11.11. Heiliger Martin

Wer war eigentlich dieser St. Martin von Tours? Was macht ihn besonders? Was können wir von ihm lernen? Können wir sein wie St. Martin? Und warum werden eigentlich traditionell Martins-Gänse gegessen? Antworten und spannende Infos, Spiele und Basteleien sind hier zu finden.

Hier geht es zum Video “Let´s play: Super-Martin-Land”  (Bistum Essen)

Zum Ausmalen und Basteln: Mitmach-Geschichte von St. Martin (Erzbistum Köln)

Wer mag Spiele?: Martins-Memory, Zieh den Martin an oder Online-Piano… (Erzbistum Köln)

 

So erzählt man sich…

Vor langer Zeit hatte der römische Kaiser Konstantin I. befohlen, dass alle Söhne von Berufssoldaten in der römischen Armee dienen mussten. So wurde im Jahr 331 nach Christus auch Martin, Sohn eines römischen Offiziers, im Alter von 15 Jahren ein Soldat. Martin war ein bescheidener und gütiger junger Mann. Obwohl er nicht getauft war, lebte und handelte er wie ein Christ. Seine Kameraden schätzten ihn wegen seiner Geduld und Nächstenliebe. Bereits drei Jahre später war er Gardeoffizier und in Amiens stationiert, als eine Begebenheit, vor den Toren der Stadt, sein Leben für immer verändern sollte:

Es war an einem jener bitterkalten Wintertage dieser Zeit. Viele Menschen waren in der klirrenden und eisigen Kälte schon gestorben. Martin ritt auf seinem Schimmel auf das Stadttor zu, als ihm ein Bettler entgegenwankte. Er war fast unbekleidet und flehte die vorüber eilenden Leute an, ihm doch zu helfen. Doch niemand half. Alle schauten weg. Nur Martin empfand tiefes Mitgefühl und mit einem Mal spürte er, dass Gott seine Wege zu diesem armen Menschen gelenkt haben musste, um Barmherzigkeit zu üben. Doch wie sollte er, der auch nur seine Waffen und einen einfachen Soldatenumhang aus Wolle bei sich trug, helfen? Der Umhang gehörte ihm noch nicht einmal, er war Eigentum des römischen Kaisers. Doch Martin zögerte nicht lange. Er nahm sein Schwert und teilte den Umhang in zwei gleiche Hälften. „Hier, armer Mann, nimm’ meine Mantelhälfte und hülle dich darin ein, mehr habe ich leider nicht, was ich dir geben könnte.“ Dankbar nahm der Bettler das Mantelstück an und schlang es sich um den mageren, ausgekühlten Körper. Martin bekleidete sich mit der anderen Hälfte. Einige Leute waren stehen geblieben und machten sich sogar darüber lustig, dass ein Offizier der römischen Garde nun selbst wie ein abgerissener Bettler aussah. Andere, die viel mehr hätten geben können, waren beschämt.

In der folgenden Nacht hatte Martin einen Traum: Jesus Christus begegnete ihm, umgeben von einer himmlischen Schar von Engeln. Jesus trug Martins halben Umhang und sprach: „Martin, ich war der Bettler, dem du deine Barmherzigkeit geschenkt hast.“

In der Bibel lesen wir, dass Jesus zu den Menschen sagte, die ihm zu zuhörten: (Mt 25, 40 b): Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Den Engeln rief Jesus zu: „Hört ihr Engel! Martin, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel gerettet!“

Als Martin am nächsten Morgen erwachte, wusste er, dass er sein Leben völlig ändern wollte. Er verließ die Armee und trat als Mönch in den Dienst Gottes. Einige Jahre später ließ er sich taufen. Sein Haus war offen für alle Menschen in Not. Er lebte auch hier bescheiden, fast ärmlich, immer im festen Glauben an Gott. Der Mönch Martin war wegen seiner frommen, gerechten und hilfsbereiten Art sehr beliebt bei den Bewohnern der Umgebung.

Daher wundert es nicht, dass sie, im Jahre 371, Martin zum Bischof haben wollten, nachdem der alte Bischof von Tours gestorben war. Doch Martin war darüber gar nicht froh. Im Gegenteil, er fühlte sich nicht würdig ein Bischof zu sein. Außerdem gefiel ihm der ganze Prunk rund um die Bischofswürde nicht. Er wollte in nicht einem Palast leben, edle Gewänder, Ringe und Ketten tragen. Das war nun nicht seine Welt. Doch die Leute aus Tours ließen nicht locker. Sie strömten zu seinem Haus und wollten ihn, auch gegen seinen Willen, nach Tours bringen. Als Martin sie kommen sah, verließ er fluchtartig sein Heim. Die Flucht blieb jedoch nicht unentdeckt und alle rannten hinter dem armen Mönch her. Martin versteckte sich in einem Gänsestall und hoffte, dort bis zum Anbruch der Dunkelheit bleiben zu können. Wenn man ihn nicht fand, würde sich die Aufregung um seine Person vielleicht wieder legen und er könnte der bescheidene Mönch bleiben.

Was Martin nicht bedacht hatte war, das Gänse besser sind als mancher Wachhund. Und so schnatterte das Federvieh was die Schnäbel hergaben, um alle Welt vor dem Eindringling im Stall zu warnen. So wurde Martins Versteck entdeckt. Die Leute fanden den Mönch, brachten ihn nach Tours und machten ihn am Ende doch noch zum Bischof von Tours. Er zog allerdings nicht in den Bischofspalast, sondern blieb in seiner Einsiedelei wohnen.

Martin war fast 30 Jahre lang ein sehr guter Bischof, der von vielen Menschen sehr geschätzt und geachtet wurde. Es gibt viele Legenden über Wunder und Heilungen, die der Bischof von Tours vollbracht haben soll. Er starb am 8. November 397 im hohen Alter von 80 Jahren. Zu seiner Beerdigung am 11. November 397 strömten viele tausend Menschen, um an seinem Grab Abschied zu nehmen.

Später wurde der Bischof Martin von Tours vom Papst heiliggesprochen und ist seit dem der Schutzpatron vieler Handwerksberufe, der Bettler, der Soldaten und der Haustiere.

(A.B.)