St. Urbanus für...

Kirche anne Bude: Hunger, Herz & Haltung in Hassel

Was macht Kirche eigentlich an einem Kiosk? Eine ganze Menge. Am Tag der Trinkhallen wurde unsere WerkBude in Hassel zum Treffpunkt – und zugleich sichtbar, welche Idee hinter diesem ungewöhnlichen Projekt der Pfarrei Sankt Urbanus steckt.

Gemischte Tüten, kalte Getränke, Kaffee, Zigaretten – und mittendrin eine Ordensschwester hinter der Theke. Dass Kirche auch so aussehen kann, hat in den vergangenen Tagen einige Aufmerksamkeit geweckt. Die WAZ titelte: „Kirche kann Kiosk“, RTL West schickte ein Kamerateam in die WerkBude und WDR 5 stellte unser „Kirchenbüdchen“ in seiner Religionssendung „Diesseits von Eden“ vor.

Der Tag der Trinkhallen am 29. August war deshalb für uns mehr als ein Fest rund um ein besonderes Stück Ruhrgebietskultur. Er passte ziemlich genau zu der Frage, die uns mit der WerkBude beschäftigt: Wie kann Kirche heute mitten im Alltag der Menschen präsent sein?

Denn die klassische Bude im Ruhrgebiet war nie nur Verkaufsstelle. Sie ist Treffpunkt, Nachrichtenbörse, manchmal Kummerkasten und für manche fast so etwas wie der Dorfplatz mitten in der Großstadt. Man kommt ohne Termin, ohne Anmeldung und ohne erklären zu müssen, warum man da ist.

Genau darin liegt für uns ihre besondere Chance.

Kirche dort, wo das Leben stattfindet

Wir erleben, dass kirchliche Gebäude und Angebote für viele Menschen längst keine selbstverständlichen Orte mehr sind. Ein Kiosk dagegen kennt diese Schwelle kaum. Wer eine Flasche Wasser, einen Kaffee oder eine gemischte Tüte kaufen möchte, kommt einfach herein.

Und manchmal bleibt es nicht beim Einkauf.

Menschen erzählen von ihrem Alltag, von Sorgen um Geld und Arbeit, von Familie, Einsamkeit oder Krankheit. Manchmal geht es um den Tod eines Menschen. Und immer wieder geht es auch darum, wie Menschen unsere Gesellschaft erleben: um Unsicherheit, Ärger, das Gefühl, nicht gehört zu werden, und um politische Entwicklungen.

Wir möchten dabei nicht ungefragt beraten und schon gar nicht missionieren. Wir möchten zunächst einmal da sein und zuhören.

Schwester Birgit Baier, die jeden Mittwoch ehrenamtlich hinter der Theke steht, beschreibt genau das als ihren Dienst am Menschen. Vielleicht ist das tatsächlich Gottesdienst in einem weiteren Sinne: Menschen wahrnehmen, Anteil nehmen und ihnen mit Respekt begegnen.

Demokratie beginnt nicht erst am Wahltag

Zu unserem Konzept gehört deshalb auch ein zweiter Gedanke: Hunger, Herz & Haltung.

Es wird viel über die Spaltung unserer Gesellschaft gesprochen. Für uns kann die Antwort darauf nicht sein, dass Menschen sich immer weiter voneinander entfernen oder in extreme Positionen zurückziehen.

Wir brauchen Orte, an denen Begegnung noch möglich ist.

Demokratie beginnt dabei viel früher als im Wahllokal. Sie beginnt dort, wo ein Mensch erlebt: Ich werde gehört. Meine Erfahrung zählt. Ich darf widersprechen. Ich kann etwas beitragen. Und gemeinsam mit anderen kann ich mein Umfeld verändern.

Als Kirche möchten wir solche Erfahrungen möglich machen. Nicht parteipolitisch – aber auch nicht neutral gegenüber Menschenfeindlichkeit, Ausgrenzung und der Abwertung anderer.

Wenn wir glauben, dass jedem Menschen eine unverlierbare Würde zukommt, dann hat dieser Glaube gesellschaftliche Konsequenzen.

Noch lange nicht fertig

Deshalb ist die WerkBude bewusst kein fertig geplantes Projekt.

Wir möchten gemeinsam mit den Menschen in Hassel herausfinden, was dieser Ort künftig noch sein kann. Ein Kiosk bleibt er natürlich. Aber vielleicht wird er zugleich noch mehr zu einem Ort für Nachbarschaft, Ideen, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Engagement.

Der Tag der Trinkhallen war dafür ein schöner Moment: die Tradition der Bude feiern und gleichzeitig fragen, was eine Bude heute für ein Quartier leisten kann.

Vielleicht braucht Kirche in unserer Zeit genau solche Orte.

Orte, an denen niemand zunächst wissen muss, wie man sich in Kirche verhält.

Wo es Kaffee und Bömskes gibt.

Wo man reden kann – oder auch nicht.

Wo unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen.

Und wo im besten Fall spürbar wird: Du bist hier willkommen. Du wirst gesehen. Und du kannst etwas bewegen.

 

Unsere WerkBude in den Medien

WAZ-Artikel – 22. August 2026

Beitrag von RTL West – 28. August 2026

WDR 5 „Diesseits von Eden“ – 30. August 2026 (ganze Sendung)